Vom Ölofen ins Silicon Valley

Dr. Josef Mittermeier, Abiturjahrgang 1987, sitzt heute regelmäßig mit den Großen des Silicon Valley am Verhandlungstisch. Als er am Gymnasium 1978 als Fünftkläßler anfing, „da saßen wir noch im alten Gebäude mit den Ölöfen“.

Der Dorfener, längst promovierter Physiker, berichtete an seiner alten Schule vor der Oberstufe über seine Arbeit: Er managt für den Vilsbiburger Autozulieferer Dräxlmaier das gesamte Amerikageschäft. 15 Milliarden US-Dollar Wagniskapital zirkulieren in einem Gebiet, das etwa so groß ist wie der Landkreis Erding. Dort ist Dr. Josef Mittermeier regelmäßig unterwegs: im kalifornischen Silicon Valley. Er ist Senior Vice President der Dräxlmaier Group, dem international führenden Autozulieferer aus Vilsbiburg. Und schon das dürfte so manchen Schüler überrascht haben, dass hier ums Eck ein Unternehmen existiert, das weltweit über 60.000 Mitarbeiter beschäftigt und nicht nur die deutschen Premium-Autos ausstattet, sondern auch im Silicon Valley in den Cockpits mitfährt: bei Tesla z. B., oder auch bei vielen neuen Autofirmen, deren Namen heute noch keiner kennt – die aber vermutlich schon bald auf unseren Straßen zu sehen sein werden.

„Wir in Deutschland haben die Entwicklung schon ein bisschen verschlafen“, berichtete Dr. Mittermeier über die elektromobile Zukunft des (autonomen) Autofahrens. Der fürs Amerika-Geschäft zuständige Geschäftsführer von Dräxlmaier pendelt zwischen diesen beiden Welten hin und her und konnte den Dorfener Gymnasiasten spannend aus der Zukunft berichten – und auch Tipps für ihr künftiges Studium geben. „Der Vorteil hier in Deutschland ist wiederum, dass bei uns jeder studieren kann“, sagte Dr. Mittermeier. An den Elite-Unis dort in Kalifornien betrage beispielsweise in Stanford die Semestergebühr schnell einmal 50.000 Dollar … Diese eine Uni allein weise eine Vermögensbilanz von 18 Milliarden US-Dollar aus (dies entspricht in etwa dem Etat des deutschen Bildungsministeriums für 2017). Dennoch: Ingenieure aus Deutschland seien höchst angesehen in den USA: „Sie haben also die besten Voraussetzungen“, machte der Dorfener den Schülern Mut. Aber auch die deutsche Automobilindustrie sei inzwischen dabei, den Rückstand aufzuholen, qualifizierte Leute werden also auch hierzulande weiterhin gefragt sein.

Apropos Schule: Was man bei uns „auch noch lernen muss“: In den USA gebe es aus den Universitäten heraus eine kraftvolle Start-Up-Kultur: „Wenn Sie eine gute Idee haben, gehen Sie zu der entsprechenden Abteilung dort – und sofort haben sie ein Büro, Unterstützung fürs Marketing, Geld, und Sie müssen sich nur noch um die Idee kümmern.“ Firmen wiederum vergessen ihre schulischen und universitären Wurzeln nicht und zahlen großzügig durch Sponsoring zurück. Dazu käme eine ganz besondere Philosophie: Wer scheitert, probiert es einfach aufs Neue. Dr. Mittermeier zitierte einen Spruch von Elon Musk, Chef von Tesla und Space X: „Wer noch nie pleite war, war noch nicht innovativ genug.“ Auch Elon Musk hat der Dorfener Abiturient schon persönlich kennengelernt.

Dr. Josef Mittermeier war auf Einladung von GyDolumni, der Ehemaligenvereinigung des Gymnasiums, zum Vortrag gekommen. Diese Vortragsreihe mit ehemaligen Schülern oder anderen prominenten Gästen soll weiter ausgebaut werden, und auch wenn sie meist während der Schulzeit stattfindet, so ist sie dennoch offen für alle Interessierten.

 
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