Impressionen von „Die Verwandlung“

Am 30. und 31. März fanden in der Aula die Theateraufführungen des Wahlkurses „Dramatisches Gestalten“ statt.

Die 18 Darsteller/-innen aus der Q 11 und Q 12 wagten sich unter der Leitung von Thomas Lindner an eine Bühnenfassung der Erzählung „Die Verwandlung“ von Franz Kafka und ernteten vom Publikum langanhaltenden Beifall für ihre gelungene Inszenierung.

Kafkas Verwandlung auf der Bühne eines Schultheaters? Wie bitteschön soll die Metamorphose der Hauptfigur Gregor Samsa in einen riesigen Käfer überzeugend dargestellt werden? So mancher stellte sich im Vorfeld der Aufführung sicherlich derlei Fragen. Die Schauspieler/-innen lieferten mehr als überzeugende Antworten. In ausdrucksstarken Choreographien gelang es den Mitwirkenden nicht nur die kafkaeske Käfermetaphorik szenisch eindringlich umzusetzen, sondern auch, diese durch aktuelle Bezüge in ihrer Bedeutung aufzulösen.

Zum Stück

Eines Morgens aufwachen und nicht mehr derselbe sein – eine Schreckensvision oder die Erfüllung eines lang ersehnten Wunsches nach Veränderung?

Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ bildet den roten Faden für die Auseinandersetzung mit dem, was Druck von außen und unbedingter Anpassungswille in Menschen auslösen können. Es geht um ungewollte und gewollte Andersartigkeit und um deren Verdrängung oder Akzeptanz angesichts der Reaktionen von Familie und Gesellschaft. Wie gehe ich damit um, wenn jemand nicht mehr so ist wie erwartet? Wie erlebe ich mich selbst unter massivem Druck?

Gregor Samsa will nicht mehr funktionieren. Zunächst noch sehr verunsichert, genießt er bald sein neues Körpergefühl, seine neue Freiheit. Die Familie ist überfordert. Und seine Umgebung? Ärzte und Presse stürzen sich auf eine Metamorphose, die sich nicht erklären lässt.

Erwartungsdruck und Freiheitswille aus der Sicht heutiger Jugendlicher verbinden sich in diesem Stück mit Kafkas Fantasie zu einer Mischung aus Bewegungstheater, chorischen Abschnitten und kurzen Monologen sowie choreografisch geprägten Szenen. Das Stück ist eine konzentrierte Darstellung ausgewählter Stationen von Gregors Verwandlung, erweitert um kommentierende Statements, Ärzte- und Pressereaktionen, und bleibt dennoch Kafkas bildgewaltiger Sprache verpflichtet.

 
< zurück   weiter >
Gestaltung RW grafik | design